Mehr inklusive Luzerner Wirtschaft ist möglich
Zufall oder auch nicht: Die wirtschaftspolitische Organisation AWG setzte an einer Veranstaltung bei Brändi in Horw ein Zeichen für Inklusion in Gesellschaft und Wirtschaft. Genau das Gegenteil von dem, was aktuell Trump in Amerika tut.
2000 Menschen leben oder arbeiten an den neun Standorten von Brändi. «Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung können mehr leisten als manche vermuten», sagte Brändi-Geschäftsführer Marcel Hossli vor rund 120 AWG-Mitgliedern aus Politik und Wirtschaft. Schreinerei, Schlosserei, Gärtnerei oder sogar Schokoladenproduktion – das sind einige Bereiche, in denen Brändi als Unternehmen mit gemischten Teams zu marktüblichen Konditionen produziert. Die AWG-Mitglieder waren auf dem Rundgang beeindruckt.
Personalverleih oder Aufträge
Eine andere Facette des Wirtschaftens von Brändi ist der Personalverleih: «Seit vielen Jahren arbeite ich trotz meiner kognitiven Beeinträchtigung bei Coop im Pilatusmarkt und bin so Teil des normalen Arbeitslebens», sagte ein glücklicher Oliver Ruegger. Wieder ein anderer Aspekt erläuterte Stefan Epp, Leiter Zentralschweiz fenaco: «Als Unternehmen über Nachhaltigkeit reden ist das eine, es zu tun das andere.» Fenaco erteile seit vielen Jahren für gewisse Versandarbeiten Aufträge an Brändi. «Der Preis ist konkurrenzfähig, Qualität und Termine werden eingehalten.»
Kanton Luzern hat Luft nach oben
Anders als die aktuelle US-Regierung positioniert sich der Kanton Luzern «Wir brauchen Institutionen wie Brändi und erteilen ihnen auch gerne Leistungsaufträge», sagte Regierungsrätin Michaela Tschuor. Der Kanton Luzern habe zudem das Leitbild «Leben mit Behinderung» verabschiedet. Jetzt gehe es um messbare Massnahmen. «Und da haben wir im Kanton Luzern durchaus Luft nach oben, deutlich sogar», sagte die Sozialdirektorin. Die Forderung nach einer Inklusions-Sondersession hinterfragte sie: «Kann eine Sondersession für Menschen mit Behinderung ein guter Schritt sein, damit Inklusion im Parlament wirklich gelebt wird – also auch Menschen mit Behinderung als Parlamentarier mitwirken können oder schliesst man sie damit nicht aus?»
Christian Lohr und Vroni Thalmann
Differenziert äusserten sich die beiden Mitglieder des Nationalrats und der Sozialkommission, Christian Lohr (Mitte, TG) und Vroni Thalmann (SVP, LU): «Inklusion ist in erster Linie eine Frage der Haltung, und erst dann der Massnahmen», sagte Nationalrat Christian Lohr, der seit Kindheit im Rollstuhl ist. Mit der entsprechenden Haltung «kommt man ganz automatisch dazu, dass alle von uns konkret, im Alltag für und mit Betroffenen handeln können und sollen», sagte Vroni Thalmann. Lohr und Thalmann begrüssen es, dass der Bundesrat einen Gegenvorschlag zur Inklusionsinitiative ausarbeitet. Für mehr Inklusion in der Wirtschaft setzt Thalmann auf gute Beispiele und Vorbilder und Motivation. Lohr fasst die ganze Veranstaltung mit seinem wichtigsten Wunsch zusammen: «Ich wünsche mir möglichst viele inklusive Luzerner KMU.»
Legende:
Inklusives Gespräch mit Betroffenen, vorne von links: Vroni Thalmann, Christian Lohr, Michaela Tschuor: hinten: Kurt Bischof, Marcel Hossli, Stefan Epp, Oliver Rüegger, Josef Wyss
«Ich wünsche mir möglichst viele inklusive Luzerner KMU.»
Nationalrat Christian Lohr
«Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung können mehr leisten als manche vermuten»
Marcel Hossli, Geschäftsführer Brändi
«Kann eine Sondersession für Menschen mit Behinderung ein guter Schritt sein, damit Inklusion im Parlament wirklich gelebt wird?»
Regierungsrätin Michaela Tschuor
«Alle von uns können sehr wohl einen Beitrag zur Inklusion leisten, konkret, im Alltag für und mit Betroffenen.»
Vroni Thalmann, Nationalrätin/Gemeinderätin
Impressionen